Im technischen Service, in der Montage und im Handwerk löst B2S eine Grundproblematik moderner urbaner Logistik: Material wird heute vielfach personengebunden bestellt, abgeholt und transportiert. Hochqualifiziertes Technikpersonal soll künftig von diesen Aufgaben entlastet und durch die Logistik optimal serviciert werden.
B2S – Business‑to‑Site schafft ein Konzept, bei dem eine Anlage selbst Material anfordert und die Lieferung direkt “on site” erfolgt – im Beispiel der Aufzugswartung z. B. in einen Aufzugsschacht, in die Kabine oder in speziell geschaffene Micro‑Logistikfächer. Die Eliminierung einer gesamten Lager‑ und Transportstufe steigert Effizienz und Flexibilität der Serviceprozesse, reduziert Verkehrsleistung und ermöglicht neue, nachhaltige Logistikkonzepte im urbanen Raum.
Der Umsetzungspilot erfolgt im Umfeld der Aufzugsbelieferung und liefert wertvolle Erkenntnisse für ein skalierbares Konzept.
| Projektpartner | KONE AG ECONSULT Betriebsberatungsges.m.b.H. |
| Projektlaufzeit | 01/2026 bis 12/2027 |
| Finanzierung | Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) gefördert und im Rahmen des Programms Logistikförderung durch die Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (SCHIG mbH) abgewickelt. |
| Ansprechpartner | René Gutschi Logistics Manager Austria KONE AG Lemböckgasse 61 1230 Wien |
1. Ausgangssituation, Problemstellung, Zielsetzung
Der technische Außendienst ist heute stark geprägt von personengebundenen Beschaffungsprozessen: Techniker:innen bestellen, holen ab und transportieren Material selbst. Dies führt zu Zeitverlusten und ineffizienter Ressourcennutzung – insbesondere in urbanen Räumen mit komplexen Anfahrten, begrenzten Flächen und steigendem Serviceaufkommen. Der entscheidende Engpass: Nicht der Mensch braucht das Material – die Anlage braucht das Material. Trotzdem erfolgt der Bestellprozess heute Großteils personenzentriert. Damit ist die Auftragsabwicklung frühzeitig „gekoppelt“ und verliert an Flexibilität.
Ziel von B2S:
- Entkoppelung von Auftrag – Material – Person
- Direktbelieferung zu Anlagen / Sites ohne Zwischenlager
- Eliminierung einer gesamten Logistikstufe (Pick‑up‑Points, Kofferraumbelieferung, Lagerwege)
- Nutzung ungenutzter Gebäudeflächen (z. B. Aufzugsschacht) als dezentrale Micro‑Logistikorte
- Massive Effizienzsteigerung, bessere Disponierbarkeit und geringere Emissionen
2. Projektbeschreibung
B2S entwickelt ein innovatives Direktbelieferungskonzept, welches Anlagen, Gebäude und technische „Sites“ zu aktiven Bestandteilen der Lieferkette macht. Kern ist das Verschieben des Entkopplungspunktes weit nach hinten: Die Anlage erhält Material direkt geliefert, unabhängig davon, welcher Techniker später den Auftrag bearbeitet.
Zentrale Elemente des Projekts:
- Die zur Umsetzung relevanten Voraussetzungen in den Bereichen Technik, Organisation, betriebliche Schnittstellen und rechtliche Anforderungen werden erhoben. Danach ausgerichtet wird die Supply Chain zur Direktbelieferung entsprechend mit den betroffenen Abteilungen und Stakeholdern für den Umsetzungspilot (weiter-)entwickelt.
- Die technischen Lösungen für einen Stauraum oder Locker im Aufzugsschacht, in der Kabine oder über der Kabine werden evaluiert. Es erfolgt eine Vorauswahl von Lösungen, welche hinsichtlich ihrer Eignung und Einsatzmöglichkeiten geprüft werden (à proof of technology)
- Operative Lösungsvarianten inklusive der erforderlichen Prozesse für den Einsatz im Echtbetrieb werden entwickelt und gemeinsam mit Kunden, Partnern und Logistikdienstleistern an ausgewählten Teststandorten implementiert. Über die definierte Laufzeit werden B2S Direktbelieferungen nach diesem Konzept durchgeführt (à proof of concept)
Ein Monitoring begleitet die beiden Testphasen mit qualitativen und quantitativen Erhebungen, welche als Grundlage für die Evaluierung der Roll-out und Scale-up Szenarien dienen und ein Impact Assessment ermöglichen.
3. Wirkung und Beitrag zu Logistik2030+
B2S leistet einen starken Beitrag zu mehreren Kernzielen der Initiative Logistik2030⁺:
- Neue Logistikkonzepte: Einführung eines völlig neuen Direct‑to‑Site‑Liefermodells (B2S), Nutzung bestehender Gebäudestrukturen als dezentrale Mikro‑Hubs, innovative Urban‑Logistics‑Ansätze
- Güterströme und Standorte: Smarte Nutzung vorhandener Gebäudeflächen, Ressourcenschonung & Flächeneffizienz, weniger Lagerraum notwendig, effizientere innerstädtische Lieferketten
- Last Mile (R)evolution: Material wird in einem früheren Logistikabschnitt direkt dorthin gebracht, wo es gebraucht wird, Entkopplung der letzten Meile vom Personal, Reduktion „unnötiger Kilometer“ im Wirtschaftsverkehr
- Arbeitskräftemangel & Qualifikation: Entlastung hochqualifizierter Techniker:innen von Logistikaufgaben, höhere Produktivität und bessere Einsatzplanung, höherqualifizierte Aufgaben für Logistikpartner durch Value Added Services

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