Umsetzungsstatus

Status per 28.09.2020

Allgemein

Projekt Set-up

Das Projekt „Nachhaltige Logistik 2030+ Niederösterreich-Wien“ befindet sich ab Beginn 2020 in der Umsetzungsphase des Aktionsplans.

Dieser umfasst 35 Maßnahmen und 133 einzelne Aktionen, welche von den Projektträgern Land Niederösterreich, Stadt Wien und den beiden Wirtschaftskammern Wien und Niederösterreich sukzessive gestartet und bearbeitet werden. Die einzelnen Projektträger haben jeweils den Lead für einzelne Aktionen übernommen, somit steht hinter jedem Thema auch eine klare Verantwortlichkeit.

Innerhalb der Projektträger-Gruppe finden regelmäßige Jour-Fixe mit Zwischenpräsentation und Diskussion von Ergebnissen mit Abstimmung anstehender Aktionen sowie zur Vorbereitung von Pilotprojekten statt. Dies hat sich bewährt und wird beibehalten.

Periodisches Monitoring

Angesichts der umfassenden Aufgaben im Projekt wurde für die Umsetzungsphase ein periodisches Monitoring installiert. In regelmäßigen Abständen werden vom Projektteam für alle Aktionen der Umsetzungsstatus und die anstehenden Detailaufgaben gemeldet. Das Monitoring gewährleistet einen Gesamtüberblick für alle Projektpartner, gleichzeitig kann damit auch der Fokus auf einzelne Aktionen gerichtet werden, um beispielsweise erforderliche Abstimmungsprozesse zu beschleunigen.

Kommunikation

In der Umsetzungsphase des Aktionsplans werden Transparenz, Information und Kommunikation für alle Stakeholder als erforderlich erachtet. Die Website www.logistik2030.at wurde hierfür entsprechend adaptiert, wobei nun speziell auf die laufenden Maßnahmen und Ergebnisse, Neuigkeiten und Veranstaltungen sowie die Pilotprojekte fokussiert wird.

Gleichzeitig wird das bestehende Stakeholder-Netzwerk für die weitere Projektbegleitung genutzt, beispielsweise im Rahmen der Online-Befragungen zur „Mitbenützung gewerblicher LKW-Abstellflächen“ oder für die Online-Veranstaltung zur „Evaluierung von Paketboxensystemen“.

Pilotprojekte

Aktuell werden 10 Pilotprojekte begleitet und beobachtet. Diese werden teilweise von den Projektträgern selbst umgesetzt, teilweise bestehen Kooperationen mit umsetzenden Partnern. Weitere Pilotprojekte sollen folgen.

Status der Umsetzung

Im ersten Halbjahr 2020 wurden bereits über 40% der Aktionen gestartet oder vorbereitet und etwa 60% davon haben einen kurzfristigen Realisierungshorizont. Die meisten Aktionen wurden unter folgenden Maßnahmenblöcken bislang gestartet oder vorbereitet:

  • Logistikflächen definieren und sichern
  • Flächennutzung für Micro-Hubs planen und ermöglichen
  • P&R-Anlagen und ÖPNV-Stationen als White Label B2C-Knoten nützen
  • „Grätzlboxen“ und Boxen-/Logistikräume in Neubauten und Bestandsimmobilien
  • Schienen-Kapazitäten erheben
  • Förderungen und Vorgaben, um postfossile Mobilität zu stärken                 
  • Alternative Antriebe in der Beschaffung forcieren
  • Transporträder fördern
  • Kosten der Last Mile sichtbar machen                 

Im Detail wurden folgende Aktionen umgesetzt oder werden aktuell bearbeitet:

Koordination Land Niederösterreich

Logistikflächen vorausschauend planen und sichern

Das Land prüft und entwickelt Instrumente, um Eignungszonen für Logistikflächen zu identifizieren, zu sichern und deren Entwicklung mit der Umsetzung von Verkehrsinfrastrukturprojekten intelligent zu verbinden.

Hierbei wird darauf Wert gelegt, die verladende Wirtschaft und die Speditionswirtschaft einzubeziehen, um ein tragfähiges Konzept für regionale Güterverkehrszentren und Hubs zu entwickeln und zu verorten. Im Mittelpunkt stehen dabei das Herausarbeiten wirtschaftlich tragfähiger Geschäftsmodelle und kooperativer Nutzungskonzepte.

Digitale Informationen und Services zur Effizienzsteigerung und Optimierung einsetzen

Besonders vielversprechend erscheint das Vorhaben, auf integrierte Plattformen für Logistikservices (LaaS) zurückzugreifen und eine „Fast Follower“-Rolle einzunehmen. LaaS soll dabei als digitale Grundlage für ein GVZ/Hub betrachtet werden.

Hierfür werden zunächst existierende LaaS-Anwendungen in Bezug auf Verkehr und Umwelt evaluiert. Ziel ist es, Pilotregionen zur technischen Umsetzung auszuschreiben und die Notwendigkeit einer Anpassung des Rechtsrahmens zu evaluieren.

Darüber hinaus sollen zukünftig die Datenbestände des Landes im Sinne einer Open Government Data-Strategie verstärkt genutzt werden, um verbesserte Navigationsdaten im fließenden Güterverkehr für die Anbieter von Routing- und Navigationssystemen (LKW Routing) über offene APIs (Application Programming Interface) zur Verfügung zu stellen.

Nachhaltige Logistikkonzepte bei Unternehmen und Großprojekten unterstützen

Die Schaffung einer leistungsfähigen intermodalen Verkehrsinfrastruktur eröffnet im Sinne einer ökologischen Verkehrsverlagerung neue Chancen. Deshalb sieht der Aktionsplan vor, Kapazitäten für den Güterverkehr im Schienennetz zu ermitteln, die Potenziale von Anschlussbahnen zu heben und fehlende Gleisanbindungen zu Gewerbeparks zu schließen (z. B. Guntramsdorf/IZ-Süd.)

Effiziente Lösungen für die Paketzustellung entwickeln und umsetzen

Das Land Niederösterreich beabsichtigt darüber hinaus Synergien, die sich aus bestehenden Partnerschaften ergeben, im Sinne eines umweltschonenden, optimierten Güterverkehrs zu nutzen. Exemplarisch zu nennen ist hier die Park & Ride-Innovationspartnerschaft zwischen Land Niederösterreich und der ÖBB Infra. Bereits entwickelte Technologien wie der Echtzeitauslastungsstand P&R, Prognosemodell, widmungskonforme Nutzung, buch-/bezahlbare Premiumparkplätze werden für logistische Anwendungen geprüft und sofern möglich nutzbar gemacht.

Der Aktionsplan Logistik 2030+ zielt außerdem darauf ab, die „letzte Meile“ (also das letzte Wegstück beim Transport der Ware vom Depot des Paketdienstleisters zur Haustüre des Kunden) kostengünstig, ressourceneffizient, umweltfreundlich und kundenfreundlich zu arrangieren. Deshalb unterstützt das Land Niederösterreich die Umsetzung betreiberunabhängiger Paketboxen als Zustell-Alternative bei P&R-Anlagen, Parkgaragen, Parkflächen, zentralen Punkten im Siedlungsraum und an ÖPNV-Stationen.

Koordination Stadt Wien

HUB-Systeme

Hier wird das FFG-geförderte Projekt MIHU Ende 2020/Anfang 2021 abgeschlossen. Parallel dazu beauftragt die MA 18 ein Projekt mit dem Namen „Modellierung HUB System Wien“, mit Start Frühjahr 2020, Fertigstellung Ende 2020/Anfang 2021. Als Resultat der Simulationen sollen für die definierten Szenarien – bei Bündelung der Verkehre  –  jeweils die Veränderung der Verkehrsleistung der Fahrzeuge im Gesamtsystem, die Veränderung der Art (Gefäßgröße; Antriebsart) und Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge und die Veränderung der (CO2-)Emissionen der Fahrzeuge immer im Vergleich zur Nullvariante abgeschätzt werden. Diese Ergebnisse sollen als fachliche Entscheidungsgrundlage für weitere Schritte einer möglichen Umsetzung von urbanen Güterverteilzentren (Midi- und Mikro-Hubs) dienen.

Rechtliche und technische Rahmenbedingungen für eine CO2-freie Innenstadtlogistik

In dem im Sommer 2020 gestarteten Projekt „Deep Demo“ der Stadt Wien werden die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für eine CO2-freie Innenstadtlogistik ausgelotet. Dazu wird zunächst eine Definition der Innenstadt (Grenzziehung) ausgearbeitet, danach können Varianten von Zufahrtsbeschränkungen in die Innenstadt überlegt und deren Auswirkungen abgeschätzt werden.

Alternative Antriebe

Im Bereich „Alternative Antriebe“ werden neben den Förderungen für Transportfahrräder auch die Bemühungen zur Elektrifizierung der Flotten vorangetrieben: Unterstützung sind neben den Förderschienen des Bundes der weitere Ausbau der E-Ladepunkte im öffentlichen Raum.

Paketlogistik

Im Sommer 2020 wurde das Projekt „Packerlbox“ der Wiener Stadtwerke initiiert. Es ist ein Pilotprojekt mit mindestens 30 Abholstationen in Zusammenarbeit mit Wiener Stadtwerke-Unternehmen und A1 unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus anderen Projekten (z.B.: Remi-Hub der Wiener Linien, easymobil der Wiener Lokalbahnen, Projekt Hubert des Hafen Wien). Ziel ist die Bündelung von Paketströmen und die Reduzierung der Verkehrsleistung auf der letzten Meile. Weiters sollen die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen ausgelotet werden.

Güterverkehrsmodell GÜMORE

Die Programmierung des Güterverkehrsmodells GÜMORE für den Raum Wien-Niederösterreich ist schon weit fortgeschritten. In dem Modell werden die güterverkehrsrelevanten Routing-Parameter digital aufbereitet (Durchfahrtshöhe, Fahrverbote für LKW usw.). Weiterführende Informationen dazu finden sich auch im aktuellen Artikel „GÜMORE bringt more“ aus der internationalen Wochenzeitung VERKEHR.

Koordination Wirtschaftskammer Niederösterreich

Alternative Antriebe in der Beschaffung forcieren

Am 16. September 2020 wurde im Rahmen der EU-weiten „E-Mobilitätswoche“ ein E-Mobilitätstag in der Wirtschaftskammer Niederösterreich organisiert, an dem sich trotz Corona-bedingten Hygienevorschriften niederösterreichische Unternehmerinnen und Unternehmer bei 17 Ausstellern über E-Mobilität informieren konnten. Fast 60 Unternehmen nutzten diese Gelegenheit zu Workshops, B2B-Gesprächen und Testfahrten.

Ladezonen-App

Während des Sommers wurden niederösterreichische Betriebe auf allen Kommunikationsschienen der Wirtschaftskammer Niederösterreich (nöwi, Newsletter, Fachgruppen-Rundschreiben etc.) auf die Ladezonen-App Wien aufmerksam gemacht, um dieses Tool unkompliziert bei ihren Fahrten in Wien anzuwenden. 

Koordination Wirtschaftskammer Wien

Pilotprojekt Paketboxen

Bereits parallel zur Erstellung des Aktionsplans wurde mit dem Pilotprojekt Paketboxen begonnen. Das Monitoring baut daher bereits auf einer langjährigen Basis auf und zeigt eine positive Entwicklung dieser neuen Infrastruktur. Nach der Evaluierung im Frühjahr, wird im Oktober 2020 eine weitere Evaluierung erfolgen.

KEP-Dienste

Weiters wurde 2020 ein neuer Branchenreport zu den KEP-Diensten erarbeitet. Dieser liegt vor und zeigt die gesamtwirtschaftliche und quantitative Entwicklung der KEP-Dienste. Der Bericht wird Ende September präsentiert.

Beschleunigte Fuhrparkumstellung

Hier wurde mit Recherchen begonnen, die in den nächsten Monaten umfassend erarbeitet werden.

Ladezonen

Die bedarfsorientierte Planung von Ladezonen soll dazu beitragen, dass Lieferungen rasch und auf direktem Weg erfolgen. Das Vermeiden von Parkplatzsuchfahrten oder das Halten in 2. Spur werden damit verhindert. Gleichzeitig sollen im Sinne der Mehrfachnutzung von öffentlichen Flächen die Ladezonen anderen Nutzgruppen zur Verfügung stehen. Die L2030+ Partner werden gemeinsam mit der TU Wien ein System entwickeln, dass diese Vision Wirklichkeit werden lässt.

Abstellflächen

Wie bei den Ladezonen ist die Mehrfachnutzung von gewerblichen, privaten Flächen ein zentraler Aspekt bei den Überlegungen zur Vermeidung von Verkehren. So kann das Abstellen von Lkws auf z.B. Parkplätze von Lebensmitteleinzelhändler dazu beitragen, unnötige Fahrten aus Wien zurück zum weit entfernten Betriebsstandort in Niederösterreich zu unterlassen, nur um am nächsten Tag wieder in die Stadt zu fahren.

Eine Umfrage bei Wiener und Niederösterreichischen Unternehmer hat ergeben, dass rund 40% der Befragten Interesse am temporären Abstellen ihrer Transportfahrzeuge haben. In einem nächsten Schritt sollen nun geeignete Flächen identifiziert werden. Anschließend werden die Rahmenbedingungen für ein Pilotprojekt geprüft.

Ausblick Herbst 2020

Begleitet wird das Projekt weiterhin von einem Stakeholder-Board, mit Vertretern aus Logistik, Transport, Handel, Industrie, Gewerbe, Wissenschaft und öffentliche Verwaltung, mit Beginn 2020 wurde dieses Gremium verstärkt durch Hr. DI Johannes Pressl (Bürgermeister Gemeinde Ardagger), Fr. Ing. Eva Kovanda (Fa. Leopold Kovanda Transporte GmbH) und Mag. Rainer Schwarz (DPD Direct Parcel Distribution Austria GmbH). Für Herbst 2020 ist ein gemeinsames Stakeholder-Board Meeting mit der Präsentation und Abstimmung der aktuellen Projekt-Meilensteine vorgesehen.

Der Projekt-Beirat wird im Herbst ebenfalls einberufen, um auf hochrangiger Ebene die Rahmenbedingungen für die weiter erfolgreiche Projektumsetzung zu unterstützen. Die Projektsteuerung ziel darauf ab, die Projektausrichtung wenn erforderlich an die aktuellen Entwicklungen anzupassen und alle Maßnahmen an den definierten Zielsetzungen auszurichten: Lösung von Nutzungskonflikten im fließenden und ruhenden Güter- und Individualverkehr, Einsparung von CO2 und einer Reduktion des Verkehrsaufkommens bei gleichbleibender Leistung und Qualität in Güterverkehr und Logistik.

für die Projektträger

DI Andrea Faast, DI Christian Popp, DI Angelika Winkler, Mag. Patrick Hartweg

für das Projektteam

Dr. Ferdinand Koch, denkstatt GmbH, und Mag. Jürgen Schrampf, ECONSULT Betriebsberatungs GmbH