Szenarien

Die Szenarien basieren auf intensiv diskutierten, sogenannten Bildern der Zukunft, denen Schlüsselfaktoren zu Grunde liegen. Aus sechs „Bildern der Zukunft“ wurden schlussendlich drei Szenarien verdichtet und abgeleitet:

  • Der Mensch im Mittelpunkt
  • Die Technologie löst alle Probleme
  • Kontinuierlicher Wandel des Bisherigen

Wofür benötigen wir Szenarien?

Maßnahmen, die für die Lösung der Zukunftsfragen gefunden werden müssen, werden zu genau diesen Szenarien hinsichtlich deren Tauglichkeit und Resilienz quer geprüft.

Wie war die Vorgangsweise?

Recherchen zu mehr als 50 Schlüsselfaktoren für die globale Entwicklung und auch für die Entwicklung des Lebens- und Wirtschaftsraumes Niederösterreich und Wien waren die Ausgangsbasis.

Von den beteiligten ExpertInnen wurden folgende Schlüsselfaktoren als relevant erachtet, denen gleichzeitig eine hohe Veränderungsdynamik zugeordnet wird:

Urbanisierung | Glokalisierung | e-Commerce | Customization, user centricity | Data Security & Privacy | Sharing/Kooperationen | Infrastruktur für neue Technologien | Traffic Technology | Automatisierung/Permanent connection, tracking | Postfossile Mobilität

Im nächsten Schritt wurde auf Basis der Definition dieser Schlüsselfaktoren an einem Bild der Zukunft (Umfeldprojektionen) und an sich daraus ergebenden Zukunftsszenarien gearbeitet. Folgende Eckpunkte wurden dabei berücksichtigt:

  • Das Optimal-Szenario im Sinne des Projektes
  • Der Mensch im Mittelpunkt
  • Die Technologie löst alle Probleme
  • Weiter wie bisher
  • So haben wir noch nie darüber nachgedacht

Im Anschluss wurde versucht, aus den entworfenen Zukunftsszenarien konkrete Bilder abzuleiten und festzuhalten. Abschließend galt es, griffige Überschriften für die jeweiligen Szenarien zu finden. Überschriften/Titel können zwar die lebendige Diskussion nicht genau einfangen, geben aber einen Einblick und erste Hinweise auf deren Ausrichtung:

  • „Neue Ruhe nach dem Sturm“ | „Ostern 2050 kann kommen / Ostern 2050 wir kommen!“
  • „Smart Human City“
  • „Tausch Privatsphäre gegen Versorgungssicherheit“
  • „Denn sie wissen nicht was sie tun!“
  • „A(u)to(no)mic City”

Danke an die in diesem Prozess beteiligten ExpertInnen für ihren wertvollen Beitrag zur Szenarienentwicklung!

Im letzten Schritt wurden die sechs Zukunftsszenarien durch das Projektteam zu drei Szenarien verdichtet. Diese Szenarien stellen keine Wunschvorstellung dar, sondern sind Ergebnis eines klaren Arbeitsauftrags, um die Resilienz des zukünftigen Aktionsplans gegenüber den Szenarien zu spiegeln.

Beschreibung der Szenarien

Der Mensch im Mittelpunkt
Neue, qualitativ hochwertige Lebenswelten
Ein neuer Tag beginnt für die Familie, die aufgrund des kontinuierlichen, jahrzehnte-langen Zuzugs nach Wien im Speckgürtel der lebenswerten Smart Human City (SHC) lebt. Nicht alle müssen an diesem Morgen das Haus verlassen, generell arbeiten viele Menschen zuhause – z.B. mit 3D-Druck – oder auch in geteilten Workspaces, die gleich einem „Dorf in der Stadt“ in vielen Grätzeln präsent sind.
Positive Einstellung zu Sharing, Technologie und Datenschutz
Das Kind fährt mit dem autonomen Schulbus, fliegen kann dieser noch nicht. Für Freizeitwege stehen auch „gesharte“ Autos zur Verfügung, schließlich sind Sharing-Angebote leicht verfügbar, komfortabel und allgegenwärtig. Sharing-Konzepte verändern nicht nur das Mobilitätsverhalten sondern auch den Konsum, kulminiert hat sich dies im Rückgang der Bedeutung des Autos als Statussymbol.

Ebenso verändert hat sich die Einstellung zum Thema Privatsphäre, wo die Nutzer mittlerweile Transparenz über die Verwendung ihrer Daten haben und bewusstere Entscheidungen über deren Verwendung treffen. Diese positive Einstellung zeigt sich auch im Bereich der Technologie, insbesondere infolge einer Vermenschlichung von Technologie und einer Optimierung der Mensch-Maschine-Kommunikation.
e-Commerce verändert den Konsum und die dahinterstehende Logistik
Die weitere Zunahme im e-Commerce, über welchen mittlerweile alles Denkbare verfügbar ist, hat zu einer weiteren Abnahme des stationären Handels geführt. Der stationäre Einkauf dient daher heute weniger der Versorgung sondern vielmehr dem Erlebnis, deshalb stehen hier regionale Produkte im Vordergrund. Diese sind aufgrund der Zunahme internationaler Transportkosten weiterhin konkurrenzfähig.

Fährt man dennoch ausgiebiger einkaufen, so wird für den Weg zum Shopping Center beispielsweise ein „gesharten“ E-Roller der Mobilitätszentrale genutzt, welche eine der Lösungen für den gestiegenen Leerstand darstellt.

Die Belieferung von Shopping Centern erfolgt auch über die Schiene. Immer mehr Waren kommen über neue Bahnverbindungen nach Europa, in einem automatisierten Terminal werden modulare Behälter umgeschlagen und über die Schiene direkt zum Shopping-Center geliefert– auch dort erfolgt ein automatisierter Umschlag. Lieferungen aus e-Commerce Bestellungen gehen direkt in die Last Mile - Hauszustellung durch Lastenfahrrad, Drohnen und autonome Fahrzeuge. Die Belieferung wird zentral von einem Leitstand gesteuert und es existieren großteils automatisierte Schnittstellen zwischen allen Verkehrsträgern. Trotz dieser Automatisierung gibt es aber insgesamt mehr und höher qualifizierte Jobs in der Logistik und auch die prekären Arbeitsverhältnisse nehmen ab.
Regulierung und Verlagerung von Bewegungen schafft Raum für Menschen
Aufgrund der knapper werdenden Flächen hat sich ein (flächen-)effizientes System der Citylogistik mit – aufgrund der differenzierten Produktpaletten – kleinteiligeren Lieferungen entwickelt: Die jeweiligen Zustellgebiete sind abgegrenzt und werden an jeweils einen Zusteller vergeben, diese Bezirks- oder Grätzellogistik führt zu einer Zwangskonsolidierung der Sendungen. Effiziente Ver- und Entsorgung sind wichtig, daher wurden und werden Infrastrukturen auch unterirdisch erweitert, um möglichst viel Raum für den Menschen zu schaffen.
Neue, zukunftsfähige Ansätze in der Wirtschaft
Nicht nur die Logistik, auch die Wirtschaft hat sich verändert, nicht zuletzt mit zunehmender Spezialisierung, Kooperation in Netzwerken, deutlicher Steigerung des Kundennutzens und fortschreitender Technologisierung, welche gerade durch die Etablierung interoperabler Standards und deutliche Infrastrukturinvestitionen getrieben wurde. Auch wurde ernsthaft auf die von den Menschen geforderte Emissionsreduktion eingegangen, wodurch auch die Wirtschaft einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität leistet.
Die Technologie löst alle Probleme
Technologie ermöglicht effiziente Planung und Kooperation
Die fortschreitende Urbanisierung wurde effizient geplant und gesteuert, damit konnte eine optimale Flächenverteilung und -nutzung erreicht werden. Optimiert wurde auch die Logistik: Kooperationen sind institutionell auf Plattformen organisiert und teilweise durch Lizenzvergaben seitens der öffentlichen Hand gesteuert. Durch die zuverlässigen Algorithmen sind die Themen Vertrauen und Privacy nicht mehr entscheidend, die Effizienz steht absolut im Vordergrund.
Zentrale Steuerung und Technologie-Mix
Als Logistik-Lösung fungiert ein Hub-System: Güter werden zuerst in regionale Makro-Hubs und anschließend weiter zu Micro-Hubs geliefert. Der Güterverkehr hat Vorrang, und durch intelligente Leitsysteme werden auch wieder Infrastrukturkapazitäten frei, obwohl das zunehmende Sharing im Privatbereich keine wesentliche Entlastung der Straßen bringen konnte. Die Auslastung der LKW ist optimiert, und durch geringere Distanzen kommen meist E-LKW zum Einsatz, vor allem auch in der Nacht. Es wurden im Verkehrsbereich mehrere Technologien parallel verfolgt und flächendeckend notwendige Infrastrukturen geschaffen. Die Feinverteilung erfolgt mit Lastenrädern und Lieferrobotern, diese können auch Stiegen steigen und Lifte benutzen – der Güterverkehr ist Großteils automatisiert.
Ziele zur Emissionsreduktion voll erreicht
Die CO2-Ziele sind erreicht worden, dies vor allem durch die Einführung eines CO2-Budgets, das individuell von einem System errechnet, zugewiesen und auch geregelt wird. Generell gibt die Technologie in vielen Bereichen die Richtung vor, auch die Fahrzeuge werden optimal gesteuert und müssen den ihnen zugewiesenen Slots folgen. Die Maschine löst den Menschen dort ab, wo dies effizienter ist, der Raum für individuelle Entscheidungen wird dabei geringer.
Zwei-Klassen-Gesellschaft durch Automatisierung
Da auch die Produktion hochgradig automatisiert ist, reduzieren sich die Aufgaben der Menschen auf zwei Funktionen: Systemerhalter und Systemgestalter. Systemerhalter, die früher in Produktion und Lieferketten tätig waren, werden für diese Funktionen nicht mehr benötigt - ihre Aufgabe beschränkt sich auf den Konsum von Waren. Ohne Beschäftigung wird ein optimiertes Grundeinkommen von einem System ermittelt, zugeteilt, überwacht und optimiert. Die Systemgestalter sind weiterhin aktiv in die Steuerungs- und Wirtschaftsprozesse eingebunden, motiviert durch eine höhere Entlohnung. Beide Gruppen sind jedoch gleichermaßen vom System abhängig, der Geldfluss dient als Stabilisator. Die beiden Welten sind über den physischen und digitalen Waren- und Informationsaustausch verbunden.
Privatsphäre wird gegen Versorgungssicherheit getauscht
Die Technologisierung hat ein stabiles, faires und effizientes System geschaffen, Themen wie beispielweise Schwarzgeld und Schwarzarbeit gehören der Vergangenheit an. Durch die zentrale Zuweisung und Steuerung von Geld und Konsum wurden Sparen und Besitz überflüssig, die Sharing Economy hat die Ressourcenauslastung maximiert. Durch das gesteuerte System entstehen für die Menschen kaum Lebensumbrüche oder Unsicherheiten, selbst beim Thema Privatsphäre wird voll auf die Technologie vertraut.

Die Logistik funktioniert flächendeckend perfekt und automatisiert, Produkte und Waren sind in der Losgröße 1 jederzeit verfügbar. Die hochgradige Standardisierung lässt jedoch nur noch eine beschränkte Vielfalt innerhalb eines reduzierten Primärangebots zu, die Wahlfreiheit ist gering.

Die wesentlichen individuellen Entscheidungen betreffen den Einsatz zugewiesener Budgets an Geldmitteln oder CO2. In einem System beschränkter Ressourcen kann es sein, dass Mitte des Monats eine Entscheidung getroffen werden muss: Lasse ich den Kühlschrank weiter laufen oder fahre ich zum geplanten Wochenendtrip? Beides lässt das CO2-Budget in diesem Monat nicht mehr zu!
Kontinuierlicher Wandel des Bisherigen
Die Region wächst zusammen, die Grenzen verschwimmen
Regionale Produkte werden positiv gesehen und über flächendeckende, leistungsfähige Breitband-Technologie jederzeit und zusammen mit allen anderen e-Commerce Produkten bestellt.

Kooperationen zwischen regionalen Produzenten und mit Logistik-Dienstleistern (Service Provider und Werksverkehr) stellen sicher, dass die Anlieferung (weitgehend) konsolidiert erfolgt.

Ein System von vielen regionalen Midi-Hubs und ein Netz von Micro-Hubs in einer „Siedlung der kurzen Wege“ mit hoher Lebensqualität stellt dies sicher - und wird durch allgemein zugängliche Paketboxen und gekühlte Annahmeboxen im verdichteten Wohnbau, aber auch im Einfamilienhaus-Bereich in praktisch allen Regionen ermöglicht.
Starke Kooperation der lokalen Wirtschaft in Ergänzung zu großen Anbietern
Erzeuger lokaler Produkte haben sich massiv zu Gemeinschaften von Erzeugern und Dienstleistern zur Bestellung und Auslieferung zusammen geschlossen, die einzelnen Plattformen sind vollständig vernetzt und nutzen veröffentlichte Daten der großen, globalen Anbieter und umgekehrt. Sharing von Einrichtungen und Produktionseinheiten ist selbstverständlich.
Die Reduktion von Emissionen steht massiv im Vordergrund
Transporte werden in einem flächendeckenden „Netz der Elektromobilität“ durchgeführt, der Ausbau von Ladestationen ist abgeschlossen und wird weiterhin durch Raum- und Bauordnung vorgeschrieben. E-Infrastruktur- und Fahrtechnologie sind normiert und vereinheitlicht.

Für Gütertransporte ist eine flächendeckende Wasserstoffversorgung implementiert, die LKW-Hersteller haben die Anreize von 10 Jahren genutzt, es gibt ausreichend H2-Fahrzeuge. Bahn und Binnenschifffahrt sind final ausgebaut.
Customization und User Centricity haben sich eingependelt
Die verstärkte Orientierung auf sehr individuelle Wünsche und das Bedienen jeder einzelnen Person praktisch zu jeder Zeit hat zu weiterer Automatisierung in der Zustellung geführt, die Reduktion von Lärm und von Störung der sonstigen Abläufe (z.B. in Unternehmen oder an „Mobilitäts-Zwangspunkten“) sind noch offene Herausforderungen.

Individuell zugängliche, gut organisierte Übergabestellen (Güterboxen) sind gut eingeführt und werden unternehmensunabhängig gebucht.
Notwendiger Verkehr wird intelligent gesteuert
Unsere Mobilität erfolgt grundsätzlich über eine überregionale Mobilitätscard und wird durch unterschiedliche Angebote im ÖV und über autonom fahrende Fahrzeuge abgewickelt. Der Wunsch, individuell mit einem allgemein verfügbaren autonom fahrenden oder dem eigenen, selbst gesteuerten Fahrzeug zu fahren, wird über ein System von zu buchenden Slots über Plattformen organisiert, Fahrbeschränkungen sind dabei gleich mit berücksichtigt.

Für Gütertransporte wurden einzelne Auslieferungs-Regionen definiert, und über Ausschreibungen einer begrenzten Anzahl an Dienstleistern zugeordnet.

Die regelmäßige Lizenzvergabe ist eine Einnahmequelle für die öffentliche Hand, die Datenhoheit liegt, wie schon lange absehbar, in privater Hand.

Der Gütertransport hat im Zweifelsfall Priorität gegenüber individuellen Einzelfahrten.

Anmerkung: Die drei Szenarien sind eine fundierte Einschätzung real möglicher Entwicklungen, entsprechen nicht unbedingt einer „Wunschvorstellung“ und stellen auch nicht zwangsläufig oder vollständig die Meinung der jeweiligen Projektträger dar.